TRACHTEN
Rumbacher 1895 beim Oktoberfest im Original und später als colorierte Postkarte.
Auf diesem Foto beruhen die heutigen Trachten der Salztrippler.



Gibt es eigentlich eine “Pfälzer Tracht” ?

Nicht im Sinne der Trachten die wir aus dem Elsaß, den Alpen oder dem Schwarzwald kennen. Schon vor Jahrzehnten haben Heimat- und Volkskundler darüber diskutiert. In seinem Buch “Pfälzer Trachten” Bilder aus 4 Jahrhunderten von Willi Niedermeier, kommt der Autor zu der Erkenntnis :

 “Es gibt keine Pfälzer Tracht, aber es gibt Trachten aus der Pfalz”.

Den Grund hierfür sieht er in der jahrhundertelangen politischen Zerrissenheit der Gegend. Als die Pfalz 1816 zu Bayern kam, war die große Zeit der Trachten schon vorüber. Trotzdem haben wohl französische Besetzung und die spätere Zugehörigkeit zu Bayern Einfluß auf Brauchtum und Feste genommen.
Um 1850 bedauern über das Land ziehende Schriftsteller den Rückgang der trachtenähnlichen Kleidung. So erzählt W.H.Riehl von seinen Wanderungen, daß der Pfälzer “auffällige und prächtige Trachten verabscheue” und glaubt das die Menschen lieber jeden leben liessen wie es ihm gefiehle. Auch wären die Standesunterschiede in der Pfalz nicht, wie sonst üblich, in der Kleidung ausgeprägt. So denkt auch Ludwig Schandein, wenn er sagt daß der Pfälzer ein “gestörtes Verhältnis” zur Tracht hätte, da er “gerne unabhängig, jeglichem Fortschritt zugetan und freiheitsliebend” sei.
Die Tracht wurde Mitte des 19.Jhdt., laut Becker, nur noch zum sonntäglichen Kirchgang angelegt, und das auch nur von älteren Menschen. Die übliche Kleidung bis vor 150 Jahren waren bei den Männern ein einreihiger leinener Rock für die Arbeit, kurze, knappe, hirschlederne Hosen mit Strümpfen, Gamaschen und festen Schuhen . Dazu trug man am Sonntag einen blauen Rock mit deutschem Schnitt und einen krempigen Hut, der nach zwei oder drei Seiten aufgeschlagen war. Bei den Frauen wurde die weiße, steife Haube durch schwarze Kappen mit krausem Rand ersetzt.

Angesichts der vielen Einflüsse, denen die Rumbacher ausgesetzt waren, verwundert uns nicht, daß er keine Tracht im herkömmlichen Sinne besaß.  Zu diesen Einflüssen gehörten die Einführung des Protestantismus (ab 1532) mit seinen asketischen Zügen, die Einwanderung der reformierten Schweizer vom Dreißigjährigen Krieg (1618-48) bis ins 18.Jhdt, die “Franzosenzeit” (1793-1815) und die “bayrischen Zeit” (1816-1940). Was wir über die Bekleidung wissen sind wenige Abbildungen von alten Stichen, colorierten Lithographien aus dem Wasgau und einer Fotografie aus dem Jahre 1895, als eine Abordnung Rumbacher am traditionellen Oktober-Festumzug in München teilnahmen.

Der Förderkreis Rumbach versucht deshalb mit seinen “Salztripplern” das wenige an Tradition verbliebene am Leben zu erhalten.


Quellen:
  • Foto Rumbacher 1895 von Helma Neuhart
  • Text und andere Fotos: “PFÄLZER TRACHTEN aus 4  Jahrhunderten” von Willi Niedermeier, Gondrom Verlag Kaiserslautern, 1985 (nicht mehr im Handel erhältlich)
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Do the palatines have traditional costumes ?
Not like the costumes of the alsacian, bavarian or of the black forest. In his book about 400 years of palatine costumes the author explains that “there is no palatine dress but only dresses from the palatine”. The reasons for that is that the area was politically splitted for several centuries. When the palatinate came to bavaria in 1816 the big era of costumes was already over. But eventually the french and the bavarian times influenced the costumes and the festivities. About 1850 authors who wandered through the area regret the vanishing of the traditional clothes. Some noticed that the palatines “disliked flashy and splendid clothes and believed that the people rather let others live like they wanted”. Social differences did not find their expression in the clothes like elsewhere. The palatine has a “disturbed relationship” towards costumes and is rather independent, open towards any progess and personal liberty another author said. Only the older people used to wear traditional dresses for the church at the end of the 19th century. The usual clothes for the men until 150 years ago was a linen jacket with one row of buttons, short and tight trousers of deer leather and socks with gaiters and leather shoes. Sundays they wore a blue coat on top and a hat which was turned up on two or three sides. The woman changed their stiff white lace bonnet into a black one with a ruffle around.
When we look at the many influences the people of Rumbach were exposed to, we are not surprised they didn´t have  real costumes. These influences were the introduction of the reformation ( about 1532) with its ascetic characteristics, the immigrantion of the reformed Swiss from the 17th to the 19th century, the “french time” (1793-1815) and the “bavarian time” (1816-1940). The little we know about the clothes of the past in the palatine we know from old pictures and an old photography from 1895 when a group of Rumbach inhabitants attended the Okotoberfest parade in Munich in their sunday dresses. Later an artist coloured these picture and put the Trifels near Annweiler behind it. It was sold as a postcard “with people from the Vorderpfalz” instead of the Rumbacher.
HOLZSCHUHE
Bis Mitte des 20 Jahrhundert waren Holzschuhe im Alltag die übliche Fußbekleidung der Rumbacher. Sie waren nützlich, praktisch und langlebig. Die teuereren Lederschuhe wurden nur zu besonderen Anlässen getragen. So manchem armen Bauern “reichte” ein paar Lederschuhe sein ganzes Leben lang. Ein Klassenfoto aus
Rumbach von 1933 zeigt Schüler mit Holzschuhen im Unterricht. Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat erst 1955 den Schulkindern per schulaufsichtlichem Erlass untersagt, die öffentlichen Schulen mit Holzschuhen zu betreten. Nach dem 2. Weltkrieg lösten Lederschuhe den Holzschuh langsam ab und das Handwerk des Holzschuhmachers verschwand bis auf Ausnahmen aus der Gegend. Nur noch wenige beherrschen heute diese Kunst und wissen von den Vorteilen des Holzschuhes. Deshalb soll hier ein kurzer Überblick gegeben werden.


Geschichte


Holzschuhe gibt es offensichtlich schon seit dem 12. oder 13. Jhdt. Familiennamen aus dieser Zeit weisen auf den Berufsstand hin. Wir finden sie in der von uns bekannten geschlossenen Form in Westfalen, Niedersachsen, Holland, Belgien, Nordfrankreich, den ehemaligen Ostgebieten, dem Elsaß und der Pfalz, also in Gegenden, in denen seit frühester Zeit Ackerbau betrieben wurde. 1910 gab es noch rund 123 Holzschuhhandwerker zwischen Rhein und Saar. Wer sich für die Holzschuhherstellung interessiert sollte das Schuhmuseum in Hauenstein oder dessen Bauernmarkt besuchen. Dort kann man sich die Herstellung nach alter Tradition ansehen.

Der Franzose nennt seine Holzschuhe "Sabots", der Holzschuhmacher ist der “Sabotier”. Sabotage bedeutet eigentlich "Mit den Holzschuhen treten.", denn Sabotage kommt von dem französischen Wort "sabot". Und ein Sabot ist ein Holzschuh mit Lederkappe. Französische Landarbeiter zur Zeit der beginnenden Mechanisierung der Landwirtschaft warfen ihre "sabotes" in die Ernte- und Verarbeitungsmaschinen (die ihnen den Job wegnahmen) und blockierten damit die Mäh- und Dreschmaschinen mit ihrer aufwendigen Mechanik und machten sie damit unbrauchbar. Um ihrer Arbeit willen betrieben sie "Sabotage". Aus Etymologisches Wörterbuch.

Holz


Je nach Gegend wurden verschiedene Hölzer verwendet. In Rumbach waren das bevorzugt Buche und Espe, in anderen Gegenden wurde auch Pappel- und Weidenholz verarbeitet. Je nach Härte des Holzes war es leichter oder schwerer ein Paar Schuhe zu herzustellen.

Beruf & Werkzeug


In jedem Dorf gab es Holzschuhmacher, die diesen Beruf neben der Landwirtschaft ausübten (vor allem in den Wintermonaten). Die Kunst der Holzschuhmacherei wurde oft vom Vater an den Sohn weitergegeben. Jedenfalls darf die Herstellung eines passenden Holzschuhes nicht unterschätzt werden und verlangt Erfahrung und entsprechendes Werkzeug. Die Bäume mussten erst gefällt und gespalten, danach der Klotz innen und außen mit dem Holzschuhmachergeschirr (Spitz, Haken und 5 Löffelbohrer) behauen und geformt werden. Zum Schluss wurde ein Lederriemen über den Spann genagelt, der dadurch Verstellmöglichkeiten bot. Bis ca. 1860 war die Herstellung reine Handarbeit, dann erleichterten Kopier- und Ausbohrmaschinen die schwere körperliche Arbeit. Vom Fällen des Stammes bis zum fertigen Schuh dauerte die Herstellung für ein Paar, mit oder ohne Maschinen, etwa 90 Minuten. Der Abfall und auch die abgetragene Schuhe wurde als Heizmaterial im Ofen verbrannt.
In den Schuhen trug man gehäkelte Socken, die die Frauen herstellten.


Holzschuhmacherfamilie aus Norddeutschland bei der Arbeit, Aufnahme von 1905 (www.vcp-recke.de/gemeinde-recke.html?start=2)

Preise


In den 1950er Jahren kostete ein Paar Holzschuhe zw. 2.- und 3,50 DM. Heute etwa 20 - 30 Euro

Haltbarkeit & Verwendung


Härte und Gewicht der verschiedenen Hölzer trugen wesentlich zu Trageeigenschaften und Haltbarkeit der Schuhe bei. Bei der Herstellung konnten Fehler gemacht werden, die die Lebensdauer verkürzen konnten. Nicht jeder Teil des Stammes war geeignet und der Schuhmacher musste das im Vorfeld dem Holzklotz ansehen. Wenn das Holz später platzte, war das nicht nur unangenehm bei Regen und Schnee, sondern auch gefährlich, da der Holzschuh auch bei Waldarbeiten getragen wurde, und so als eine Art “Sicherheitsschuh” diente.
Pro Jahr und Träger wurden etwa 2 Paar Holzschuhe benötigt.

Laufen mit Holzschuhen


Das Laufen in Holzschuhen ist kaum mit dem Laufen in “modernen” Schuhen vergleichbar. Die Schuhe sind starr und schmiegen sich nicht an den Fuß an. Um die Schuhe beim Laufen nicht zu verlieren, muss der Träger immer ein wenig “schlurfen”. Holzschuhe rutschen auf glatten Flächen wie Kopfsteinpflaster; dies macht das Laufen für Ungeübte mühsam und anstrengend. Ausgesprochen mühselig war es wohl auch das Laufen durch Schnee. Unter den hölzernen Sohlen setzten sich Schneeschichten fest, durch die man das Gleichgewicht verlieren konnte und deshalb alle paar Meter versuchen mußte, den Schnee von dort abzuklopfen oder abzutreten. Auch im Kuh- und Schweinestall mussten Holzschuhe ihren Dienst tun.
Man darf heute nicht vergessen wieviel mehr früher gelaufen wurde. Die Felder und Waldungen lagen oft weit vom Dorf entfernt. Die Straßen waren nicht geteert.

Gesundheit


Der Holzschuh war eine äußerst gesunde Fußbekleidung !

Seine Vorteile gegenüber üblichen Lederschuhen waren:
• Schutz gegen Bodenfeuchtigkeit
• bessere Ventilation und Durchlüftung durch das ständige Abheben von der Sohle und “einpumpen” frischer Luft
• Verminderung von Schweißfüssen
• bessere Durchblutung die Zehenfreiheit, dadurch Vermeidung von Spreizfüssen
• Verhinderung von Plattfuß- und Hammerzehenbildung durch die ständige Aktivität der Fußmuskulatur
• Vermeidung von frühen Fußschäden bei Kindern

Quellen


• Der letzte Holzschuhmacher im Dahner Tal +
• http://www.holzschuhmacher.com/Geschichte.htm
• Grafik: http://www.original-holzschuh.de/produkt_information.htm
• Gutachten der Orthopädischen Universitätsklinik Münster /Westfalen
• Foto: http://www.vcp-recke.de/recke/holz.htm